Wiki-Architektur: Wie ich mein KI-Betriebssystem strukturiere

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Infografik: Stadtplan-Visualisierung des Wiki mit sechs Vierteln

Das Problem mit guten KI-Antworten

KI-Tools sind nur so gut wie der Kontext, den sie bekommen. Wer Claude oder ChatGPT jeden Morgen erklären muss, dass er an einer Sekundarschule unterrichtet, in Ich-Form schreibt, keine Em-Dashes mag und seit zwei Jahren mit KI experimentiert — der verbringt die ersten zehn Minuten jedes Prompts mit Aufwärmen.

Genau hier setzt mein Wiki an. Es ist das Herzstück meines KI-Betriebssystems. Eine Wissensdatenbank, die ich seit Monaten pflege und an die Claude bei jedem neuen Prompt automatisch andockt.

Das Prinzip — geklaut von Andrej Karpathy

Karpathy hat in einem Vortrag das Agent-Wiki-Prinzip skizziert: Wissen wird einmal an einer zentralen Stelle hinterlegt. Jeder Agent, jeder Prompt, jede neue Conversation lädt sich Kontext aus diesem Wiki nach Bedarf. Ich schreibe nichts mehr zweimal.

Praktisch heisst das: Wenn ich Claude bitte, einen Substack-Post zu schreiben, lädt sich der Agent automatisch meine Stilregeln, meine Hook-Rotation, meine Niveau-Vermeidungen aus dem Wiki nach. Ich muss diese Regeln nicht im Prompt wiederholen. Sie sind einfach da.

Warum kein Ordnerbaum — die Stadt-Metapher

Ein klassischer Ordnerbaum zwingt mich, eine Hierarchie zu entscheiden, bevor ich sie kenne. Gehört «Sokratisches Prompten» unter /methoden/, /unterricht/ oder /ki/? Antwort: irgendwie in alle drei. In einem Baum ist das ein Problem.

Ein Stadtplan löst das. Stadtviertel können nebeneinander existieren, sich überlappen, organisch wachsen. Eine Strasse zieht sich durch mehrere Viertel. Ein Gebäude steht auf der Grenze zwischen zwei Quartieren. Genau so funktioniert Wissen.

Die sechs Viertel meines Wiki

Identität. Wer ich bin, wie ich schreibe, was ich vermeide. Hier liegt das Profil, das Claude jedes Mal nachlädt — Ich-Form, schweizerische Orthographie, keine Em-Dashes, Sek-1-Kontext.

Unterricht. Klassen, Routinen, Lernziele, Bewertungsraster, Stundentafeln. Der pädagogische Werkzeugkasten — alles, was im Schulalltag wiederkehrt.

Content. Substack-Stilregeln, LinkedIn-Hook-Formate, Instagram-Carousel-Patterns, Newsletter-Aufbau. Hier wohnt die Schreibmaschinerie.

Skills. Was meine Agents wissen müssen, um meine Arbeit zu machen. Skills sind kompakte Anleitungen für wiederkehrende Aufgaben — von «Lehrmittel-PDF erstellen» bis «Carousel generieren».

Entscheidungen. Was ich oder das Team festgelegt haben und warum. Eine Entscheidung wie «Substack bleibt zu 100 % gratis, kostenpflichtig sind nur die Materialpakete» wird hier dokumentiert. Inklusive Begründung — damit ich später nicht versehentlich davon abweiche.

Quellen. Studien, Bücher, Notizen, die ich immer wieder zitiere. Eine kuratierte Bibliothek.

Was sich dadurch ändert

Eine neue Conversation mit Claude beginnt nicht mehr bei Null. Ich sage nicht «schreib mir einen Substack-Post über Sokratisches Prompten». Ich sage «schreib einen Substack-Post über Sokratisches Prompten». Den Rest holt sich der Agent selbst aus dem Wiki — Stil, Format, Hook-Rotation, Vermeidungen, Verlinkungsregeln.

Wenn ich an einer Skill arbeite, lädt sie sich automatisch die relevanten Wiki-Einträge dazu. Wenn ich eine Entscheidung treffe, dokumentiere ich sie sofort im Wiki — nicht weil ich diszipliniert bin, sondern weil mir die nächste Conversation sonst dieselbe Frage nochmal stellt.

Was das im Alltag spart

Konkret: die ersten zehn Minuten jedes Prompts. Multipliziert mit drei Posts pro Tag, fünf Skills, regelmässigen Newsletter-Folgen, Unterrichtsvorbereitung. Aufs Jahr gerechnet: ein paar hundert Stunden. Aber wichtiger als die Zeit ist die Konsistenz. Mein Output sieht zusammenhängend aus, weil das Wiki dafür sorgt, dass dieselben Stilregeln in allen Kanälen gelten.

Faustregel

Wer KI ernsthaft nutzen will, braucht weniger neue Tools, mehr gepflegtes Wissen darüber wer man ist und was man tut.

Die Infografik zeigt meinen aktuellen Stadtplan. In Kürze folgt ein Tutorial dazu, wie man so ein Wiki von Null aufbaut.