Antigravity im Schulalltag

Digitales Pausenbrot · 16. April 2026

Sinnvolle Use-Cases und klare Grenzen für die Sek 1

1 Use-Case 1: Interaktive Unterrichts-App

Realistisches Szenario: Du willst für deine 8a eine interaktive Termin-Lern-App zur Schweizer Geografie.

Auftrag an einen Agenten

Erstelle kantone.html: eine interaktive Lern-App mit allen 26 Schweizer Kantonen. Pro Kanton: Name, Hauptort, Sprachregion, ein Wappen-Emoji. Modus 1: Karteikarten (durchklicken). Modus 2: Quiz (Kanton → Hauptort eingeben, Sofortfeedback). Modus 3: Zeit-Challenge (alle 26 so schnell wie möglich). Clean, schulhaustauglich, eine Datei, keine externen Abhängigkeiten.

Typischer Ablauf

  1. Agent plant: Datenstruktur, HTML, CSS, JS, Modi, Testcases.
  2. Approve → Agent schreibt & testet im Browser.
  3. Artefakt zeigt funktionsfähige App. Iterate: «Füge einen Link zur offiziellen Kantonsseite hinzu» → fertig.
  4. Datei auf Lerndrop.ch oder GitHub Pages hochladen und teilen.
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Was mit Claude-Artefakt 20 Minuten dauert, dauert in Antigravity oft länger — dafür ist das Ergebnis testbarer und auf mehreren Dateien erweiterbar.
2 Use-Case 2: Prüfungs-Auswertung mit CSV

Hast du eine pruefung.csv mit anonymisierten Punkteständen, kann ein Agent:

  • Durchschnitt, Median, Standardabweichung berechnen
  • Eine Verteilungskurve als PNG in dein Workspace schreiben
  • Ausreisser (oben/unten) markieren
  • Einen Markdown-Report mit Differenzierungs-Vorschlägen für die Nachbesprechung erstellen

Beispiel-Auftrag

Lies pruefung-7a-bruchrechnen.csv. Erzeuge einen Report auswertung.md mit: Kennzahlen-Tabelle, Interpretation (2–3 Sätze), drei konkreten Differenzierungs-Vorschlägen für die Nachbesprechung. Dazu eine PNG-Grafik der Punkte-Verteilung.

Der Agent führt Python-Auswertungen im Terminal aus, erstellt die Grafik und liefert dir das Ergebnis als Artefakt – alles ohne dass du Python-Code schreiben müsstest.

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Wichtig: Nur anonymisierte IDs in der CSV. Keine Namen, keine Klartextnoten mit Personenbezug.
3 Grenzen: wann Antigravity nicht das richtige Werkzeug ist

Antigravity ist mächtig – aber auch anspruchsvoll. Ehrliche Grenzen für Lehrpersonen:

  • Lernkurve: Rechne mit 3–5 Stunden, bis du flüssig arbeitest. Für spontane Einzel-Aufgaben ist Claude oder ChatGPT schneller.
  • Fehleranalyse: Wenn etwas schiefläuft, musst du Code lesen können, um den Fehler zu verstehen. Ohne Programmierkenntnisse wirst du mit Fehlern nicht weiterkommen.
  • Datenschutz: Aufträge und Code landen bei Google (via Gemini). Keine Schülerdaten, keine Klartexte von Prüfungen mit Namen.
  • Überengineering-Gefahr: Für ein einfaches Arbeitsblatt reicht Claude-Artefakte oder ein Word-Dokument. Nicht jede Aufgabe braucht eine Agenten-IDE.

Kurzformel: Antigravity lohnt sich, wenn du mehrere Dateien brauchst, Code automatisiert testen willst oder über Wochen an einer Lehrmittel-Sammlung arbeitest. Für alles andere: Claude oder Cowork.

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4 Einstieg für Informatik-Lehrpersonen

Wenn du Informatik an der Sek 1 unterrichtest, kann Antigravity gleich zwei Funktionen haben:

1. Eigenes Werkzeug

Du erstellst differenzierte Lehrmittel, automatisierst CSV-Auswertungen und pflegst über Monate eine eigene Unterrichts-App-Sammlung.

2. Anschauungsmaterial im Unterricht

Für die Oberstufe / Einführungsphasen: Zeige deinen Schüler:innen, was eine agentische Umgebung ist. Lass den Agenten eine kleine Aufgabe lösen und diskutiert:

  • Wo macht der Agent Fehler? Warum?
  • Was lernt die Klasse daraus über KI und Programmierung?
  • Wo zieht ihr eine Grenze: «das will ich nicht automatisieren»?

Antigravity kann so nicht nur dein Werkzeug sein, sondern auch Thema deines Unterrichts – wie KI Arbeitsprozesse verändert.

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Für die Sek 1 ist Antigravity thematisch eher in der 9. Klasse passend – im Rahmen von «Medien und Informatik», «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» oder als Berufswahl-Impuls (Software-Beruf).

Quiz

1. Für welchen Zweck eignet sich Antigravity am ehesten?

  1. Schnelle einzelne Chat-Antworten beim Unterricht vorbereiten.
  2. Über mehrere Wochen an einer Lehrmittel-Sammlung mit mehreren Dateien arbeiten und Code automatisiert testen lassen.
  3. Textnachrichten an Eltern formulieren.
  4. Fotos bearbeiten und Präsentationen erstellen.
Lösung anzeigen

Richtige Antwort: b) — Antigravity lohnt sich bei mehrdateien-Projekten, automatisiertem Testen und über Wochen wiederkehrenden Aufgaben. Für schnelle Einzel-Antworten ist Claude oder ChatGPT klar besser.

2. Was darf auf keinen Fall in einem Antigravity-Auftrag landen?

  1. Öffentlich verfügbare Wikipedia-Inhalte.
  2. Anonymisierte CSV-Datensätze mit IDs statt Namen.
  3. Klartexte mit Schüler:innen-Namen oder Noten mit Personenbezug.
  4. Ausschnitte aus dem Lehrplan 21.
Lösung anzeigen

Richtige Antwort: c) — Aufträge und Code gehen via Gemini durch Google-Systeme. Personenbezogene Schülerdaten gehören dort nicht hin — immer anonymisieren oder lokal bearbeiten.

3. Welche realistische Einschätzung zur Lernkurve stimmt?

  1. Antigravity ist intuitiver als Claude — du bist in 15 Minuten produktiv.
  2. Antigravity ist für Lehrpersonen ohne Informatik-Background schnell frustrierend; rechne mit mehreren Stunden Einarbeitung.
  3. Antigravity braucht keinen Programmier-Background, weil die Agenten alles erklären.
  4. Antigravity ist nur mit dem Gemini-Ultra-Abo sinnvoll einsetzbar.
Lösung anzeigen

Richtige Antwort: b) — Antigravity ist eine vollwertige IDE. Ohne Programmier-Vorkenntnisse wirst du Fehler nicht eigenständig beheben können. Für Lehrpersonen ohne IT-Background sind Cowork oder Claude-Artefakte der bessere Einstieg.