Antigravity im Schulalltag
Sinnvolle Use-Cases und klare Grenzen für die Sek 1
Realistisches Szenario: Du willst für deine 8a eine interaktive Termin-Lern-App zur Schweizer Geografie.
Auftrag an einen Agenten
Erstelle kantone.html: eine interaktive Lern-App mit allen 26 Schweizer Kantonen. Pro Kanton: Name, Hauptort, Sprachregion, ein Wappen-Emoji. Modus 1: Karteikarten (durchklicken). Modus 2: Quiz (Kanton → Hauptort eingeben, Sofortfeedback). Modus 3: Zeit-Challenge (alle 26 so schnell wie möglich). Clean, schulhaustauglich, eine Datei, keine externen Abhängigkeiten.
Typischer Ablauf
- Agent plant: Datenstruktur, HTML, CSS, JS, Modi, Testcases.
- Approve → Agent schreibt & testet im Browser.
- Artefakt zeigt funktionsfähige App. Iterate: «Füge einen Link zur offiziellen Kantonsseite hinzu» → fertig.
- Datei auf Lerndrop.ch oder GitHub Pages hochladen und teilen.

Hast du eine pruefung.csv mit anonymisierten Punkteständen, kann ein Agent:
- Durchschnitt, Median, Standardabweichung berechnen
- Eine Verteilungskurve als PNG in dein Workspace schreiben
- Ausreisser (oben/unten) markieren
- Einen Markdown-Report mit Differenzierungs-Vorschlägen für die Nachbesprechung erstellen
Beispiel-Auftrag
Liespruefung-7a-bruchrechnen.csv. Erzeuge einen Reportauswertung.mdmit: Kennzahlen-Tabelle, Interpretation (2–3 Sätze), drei konkreten Differenzierungs-Vorschlägen für die Nachbesprechung. Dazu eine PNG-Grafik der Punkte-Verteilung.
Der Agent führt Python-Auswertungen im Terminal aus, erstellt die Grafik und liefert dir das Ergebnis als Artefakt – alles ohne dass du Python-Code schreiben müsstest.

Antigravity ist mächtig – aber auch anspruchsvoll. Ehrliche Grenzen für Lehrpersonen:
- Lernkurve: Rechne mit 3–5 Stunden, bis du flüssig arbeitest. Für spontane Einzel-Aufgaben ist Claude oder ChatGPT schneller.
- Fehleranalyse: Wenn etwas schiefläuft, musst du Code lesen können, um den Fehler zu verstehen. Ohne Programmierkenntnisse wirst du mit Fehlern nicht weiterkommen.
- Datenschutz: Aufträge und Code landen bei Google (via Gemini). Keine Schülerdaten, keine Klartexte von Prüfungen mit Namen.
- Überengineering-Gefahr: Für ein einfaches Arbeitsblatt reicht Claude-Artefakte oder ein Word-Dokument. Nicht jede Aufgabe braucht eine Agenten-IDE.
Kurzformel: Antigravity lohnt sich, wenn du mehrere Dateien brauchst, Code automatisiert testen willst oder über Wochen an einer Lehrmittel-Sammlung arbeitest. Für alles andere: Claude oder Cowork.

Wenn du Informatik an der Sek 1 unterrichtest, kann Antigravity gleich zwei Funktionen haben:
1. Eigenes Werkzeug
Du erstellst differenzierte Lehrmittel, automatisierst CSV-Auswertungen und pflegst über Monate eine eigene Unterrichts-App-Sammlung.
2. Anschauungsmaterial im Unterricht
Für die Oberstufe / Einführungsphasen: Zeige deinen Schüler:innen, was eine agentische Umgebung ist. Lass den Agenten eine kleine Aufgabe lösen und diskutiert:
- Wo macht der Agent Fehler? Warum?
- Was lernt die Klasse daraus über KI und Programmierung?
- Wo zieht ihr eine Grenze: «das will ich nicht automatisieren»?
Antigravity kann so nicht nur dein Werkzeug sein, sondern auch Thema deines Unterrichts – wie KI Arbeitsprozesse verändert.

Quiz
1. Für welchen Zweck eignet sich Antigravity am ehesten?
- Schnelle einzelne Chat-Antworten beim Unterricht vorbereiten.
- Über mehrere Wochen an einer Lehrmittel-Sammlung mit mehreren Dateien arbeiten und Code automatisiert testen lassen.
- Textnachrichten an Eltern formulieren.
- Fotos bearbeiten und Präsentationen erstellen.
Lösung anzeigen
Richtige Antwort: b) — Antigravity lohnt sich bei mehrdateien-Projekten, automatisiertem Testen und über Wochen wiederkehrenden Aufgaben. Für schnelle Einzel-Antworten ist Claude oder ChatGPT klar besser.
2. Was darf auf keinen Fall in einem Antigravity-Auftrag landen?
- Öffentlich verfügbare Wikipedia-Inhalte.
- Anonymisierte CSV-Datensätze mit IDs statt Namen.
- Klartexte mit Schüler:innen-Namen oder Noten mit Personenbezug.
- Ausschnitte aus dem Lehrplan 21.
Lösung anzeigen
Richtige Antwort: c) — Aufträge und Code gehen via Gemini durch Google-Systeme. Personenbezogene Schülerdaten gehören dort nicht hin — immer anonymisieren oder lokal bearbeiten.
3. Welche realistische Einschätzung zur Lernkurve stimmt?
- Antigravity ist intuitiver als Claude — du bist in 15 Minuten produktiv.
- Antigravity ist für Lehrpersonen ohne Informatik-Background schnell frustrierend; rechne mit mehreren Stunden Einarbeitung.
- Antigravity braucht keinen Programmier-Background, weil die Agenten alles erklären.
- Antigravity ist nur mit dem Gemini-Ultra-Abo sinnvoll einsetzbar.
Lösung anzeigen
Richtige Antwort: b) — Antigravity ist eine vollwertige IDE. Ohne Programmier-Vorkenntnisse wirst du Fehler nicht eigenständig beheben können. Für Lehrpersonen ohne IT-Background sind Cowork oder Claude-Artefakte der bessere Einstieg.