Templates in der Praxis

1 Prototype: Lerntool-Mockup

Use-Case: Ein Mockup für ein Lerntool, das deine Schüler:innen nutzen sollen – zum Beispiel ein Online-Karteikarten-Tool oder einen interaktiven Quiz-Editor.

Charlie's Tipp: Immer zuerst im Wireframe. Erst wenn die Struktur stimmt, duplizierst du ins High-Fi.

Beispiel-Brief (konkret, mit klaren Layout-Regionen):

"Prototyp für ein Online-Karteikarten-Tool. Linke Spalte: Liste der Karten-Stapel mit Titel und Anzahl Karten. Hauptbereich: aktuelle Karte, oben Vorderseite (Frage), nach Klick Rückseite (Antwort). Unten drei Bewertungs-Buttons: einfach / mittel / schwer. Rechte Spalte: Fortschrittsanzeige mit erledigten vs. verbleibenden Karten. Wireframe."

Workflow:

  1. Projekt anlegen → Start-Punkt Prototype.
  2. Brief wie oben.
  3. Wireframe prüfen, Layout-Feedback geben („Buttons grösser", „Liste schmaler").
  4. Wenn Struktur stimmt: Duplicate in High-Fidelity – dein Design-System liefert Farben + Typo.
  5. Export als HTML (für Demo in der Klasse) oder als PDF (für Projektantrag/Bildungskommission).
claude-design-prototype-lerntool.png
Prompt-Sammlung Claude Design (PDF)
Das Ergebnis ist ein Mockup, kein lauffähiges Tool. Wenn du es wirklich als Webseite deployen willst → Handoff zu Claude Code (Tutorial 3 Step 3).
2 Pitch Deck: Elternabend-Präsentation

Use-Case: Ein 10-Slide-Deck für einen Elternabend. Thema frei wählbar: „Einführung iPads in der 1. Sek", „Neue Wahlfachlandschaft", „Projektwoche Nachhaltigkeit", usw.

Brief-Vorlage mit Slide-Struktur:

"10-Slide-Pitch-Deck für Elternabend zum Thema [THEMA]. Design-System anhängen: [Schulhaus-Brand-Kit].

Slide 1: Titel, Datum, mein Name.
Slide 2: Warum dieser Elternabend? (Kontext)
Slide 3: Aktuelle Situation.
Slide 4: Was ändert sich.
Slide 5: Pädagogisches Argument (warum das sinnvoll ist).
Slide 6: Praktische Umsetzung im Schulalltag.
Slide 7: Was das konkret für Ihr Kind bedeutet.
Slide 8: Datenschutz und Regeln.
Slide 9: Zeitplan nächste Schritte.
Slide 10: Fragen und Austausch."

Export: .pptx herunterladen, in PowerPoint öffnen, Feinschliff (Charlie: „close but not pixel-perfect" – mit 5-10 Minuten PowerPoint-Nachjustierung ist das Deck präsentationsreif).

Warum Claude Design statt Chat? Im Chat kriegst du Text. Hier kriegst du eine Präsentation mit Layout, Bildern und Farben – direkt aus deinem Schulhaus-Branding.

claude-design-pitchdeck-elternabend.png
Sag Claude im Brief dazu, in welcher Sprach-Ebene die Slides sein sollen („formell, an Eltern gerichtet") – das macht einen spürbaren Unterschied.
3 From Template: Interaktive Lernseite

Use-Case: Eine interaktive HTML-Lernseite zu einem Unterrichtsthema – zum Beispiel „Wasserkreislauf", „Französische Revolution", „Bruchrechnung üben". Die Seite kannst du entweder als HTML exportieren und lokal zeigen, oder via Handoff zu Claude Code ins Netz stellen.

Das versteckte Feature: Grab-web-element

Du kannst eine bestehende Lehrmittel-Website (oder irgendeine andere Seite) als Stil-Inspiration einfangen. Claude übernimmt Farbstimmung, Layout-Logik und Typografie – nicht den Inhalt.

⚠ Urheberrecht: Nur als Stil-Referenz nutzen. Kein 1:1-Kopieren von fremden Inhalten oder Bildern.

Beispiel-Brief:

"Interaktive Lernseite zum Thema Wasserkreislauf. Hero oben mit animierter Grafik der Kreislauf-Stationen. Dann scrollbare Erklär-Sektionen zu Verdunstung, Kondensation, Niederschlag, Versickerung – jeweils mit Text, Grafik und kurzem interaktiven Element (Schieberegler, Klick-Reveal, etc.). Am Ende ein 5-Fragen-Quiz mit direkter Auswertung. Mobile-first."

Datenschutz: Wie immer bei KI-Tools – keine Schüler:innen-Namen, -Fotos oder personenbezogenen Daten in Claude Design hochladen. Gleiche Disziplin wie bei Claude Chat.

claude-design-fromtemplate-lernseite.png
4 Design System: Brand-Kit anlegen

Vertiefung zu Tutorial 1 Step 3. Wenn du dort nur konzeptuell gesehen hast, dass ein Design-System wichtig ist, hier gehst du's konkret an.

Inputs zusammenstellen (nimm dir 10 Minuten):

  • Logo: SVG oder PNG, idealerweise mit transparentem Hintergrund.
  • Farbcodes: Hex-Werte für Primär-, Sekundär- und Akzentfarbe – aus dem Schulhaus-CI oder der eigenen Klassen-Identität.
  • Schriftarten: Name einer Headline-Schrift + Fliesstext-Schrift. Google Fonts sind die sichere Wahl (z.B. „Playfair Display" + „Source Serif 4").
  • Optional: Eine bestehende Präsentation (PPTX) oder ein Elternbrief als PDF – Claude zieht daraus den allgemeinen Ton.

Brief:

"Erstelle ein Design-System mit dem Logo [hochgeladen], Primärfarbe #XYZ, Sekundärfarbe #ABC, Akzent #DEF, Schriftart [Headline-Font] für Überschriften und [Body-Font] für Fliesstext. Typ-Skala für H1, H2, H3 und Body. Beispiel-Komponenten: Button primär, Button sekundär, Info-Box, Warn-Box."

Was dabei entsteht: Ein Referenz-Pack, das du bei jedem neuen Projekt als Input anhängst. Claude übernimmt dann automatisch Farben, Schriften und Komponenten-Stil.

Reuse: Einmal angelegt, läuft's jahrelang. Bei Bedarf (Logo-Refresh, Farbwechsel) updatest du das System einmal – alle zukünftigen Projekte ziehen nach.

claude-design-brandkit.png

Quiz

1. In welchem Modus empfiehlt es sich, ein neues Prototype-Projekt zu starten?

  1. Direkt High-Fidelity, damit man Farben sieht
  2. Wireframe zuerst, dann bei stimmender Struktur ins High-Fi duplizieren
  3. Nur Wireframe, High-Fi braucht man selten
  4. Egal, Claude entscheidet automatisch
Lösung anzeigen

Richtige Antwort: b) — Wireframe-first spart Tokens und Iterations-Zeit. Wenn die Struktur stimmt, wechselst du ins High-Fidelity – dein Design-System liefert dann Farben und Typo.

2. Was bedeutet Charlie Hills' Warnung „close but not pixel-perfect" beim PPTX-Export?

  1. PowerPoint-Dateien lassen sich nicht öffnen
  2. Der Export ist unbrauchbar
  3. Das Styling wird weitgehend übernommen, aber kleine Nachbearbeitung in PowerPoint ist nötig
  4. Nur die erste Slide wird korrekt exportiert
Lösung anzeigen

Richtige Antwort: c) — Der PPTX-Export übernimmt Struktur und Inhalte gut, einzelne Formatierungen (Schriftgrössen, Abstände) können leicht abweichen. 5-10 Minuten Feinschliff in PowerPoint genügen meist.

3. Was darf man beim „Grab-web-element"-Feature NICHT tun?

  1. Eine Webseite als Stil-Inspiration verwenden
  2. Farbstimmung und Layout-Logik übernehmen
  3. Fremde Inhalte oder Bilder 1:1 kopieren
  4. Eine Seite mehrfach als Referenz einfangen
Lösung anzeigen

Richtige Antwort: c) — Das Feature ist für Stil-Inspiration (Farben, Layout, Typo). Inhalte und Bilder einer fremden Seite 1:1 zu übernehmen verletzt Urheberrecht.