Profi-Prompting für Claude Code

Digitales Pausenbrot · 17. April 2026

Screenshot, Brief, Memory, Iteration — adaptiert von Ruben Hassids Guide (How to AI)

1 Die Screenshot-Methode

Der schnellste Weg, Claude Code ein Design zu erklären, ist ein Bild. Zieh es direkt ins Chat-Feld in Cowork oder im VS-Code-Panel.

Die Formel

«Bau mir sowas, aber für [mein Projekt].»

Warum das funktioniert: Claude sieht Layout, Proportionen, Farben, Typografie-Rhythmus – alles, was man mit Worten schlecht beschreibt.

Konkretes Schul-Beispiel

Du hast eine fertige Lernkarten-App gesehen, die dir gefällt. Screenshot machen, einfügen, schreiben:

«Bau mir das nach, aber für 26 Schweizer Kantone mit Wappen. Modi: Karteikarten, Quiz, Zeit-Challenge.»

Claude startet mit deinem visuellen Referenzpunkt und fängt nicht bei «Was soll es sein?» an.

Pro-Tipp: präzise zuschneiden

Cropp den Screenshot auf genau das Element, das du willst. Screenshots mit Browser-Chrome, Tabs oder irrelevanten Bereichen verwirren mehr, als sie helfen.

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Das funktioniert auch umgekehrt: Screenshot deines eigenen, noch nicht fertigen Resultats + «Mach es so, dass es der Version oben links ähnlicher wird.»
2 Brief statt Code-Anweisungen

Die grösste Prompt-Falle: Anweisungen wie für eine Entwickler:in schreiben.

Mental-Modell

Du bist Projekt-Manager:in. Claude ist Developer. Gib den Brief. Was soll am Ende rauskommen – nicht wie es gebaut wird.

❌ Schlecht

Erstelle eine HTML-Datei, füge ein CSS-Stylesheet hinzu,
verwende Flexbox für das Layout, mach es responsive mit
einem Breakpoint bei 780px ...

✅ Gut

Ich brauche eine saubere Landing Page für eine
Lehrerinnen-Beratung. Grosse Headline, 4 Angebote
aufgelistet, ein Buchungs-Link, Footer mit Social-
Media-Links. Schweizer Deutsch, dezenter Stil.

Template-Prompt für Einsteiger:innen

Erstelle ein GitHub-Repo namens «[projekt-name]».

Ich kann nicht programmieren und möchte es auch nicht
lernen. Programmiere alles für mich. Frag so wenig wie
möglich nach Genehmigungen.

Bitte:
1. Ich will [Ziel] für [Erfolgskriterium].
2. Hier ein Beispiel: [Screenshot].
3. [Schritte oder Randbedingungen].

Häufiger Fehler

Prompts, die wie Code-To-Do-Listen klingen. Wenn dein Prompt sich liest wie eine Anleitung für einen Developer, schreib ihn um als Brief für das, was der/die Nutzer:in am Ende sieht.

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Wer schon bei «Mach es schön» landet, hat verloren – das ist ein Blankocheck für generisches Output. Immer konkret: Fonts, Farben, Spacing, Stilrichtung als Referenz.
3 Kontext + CLAUDE.md-Memory

Das grosse Problem mit Claude Code: jede neue Session startet bei null. Fonts, Farben, Seiten-Struktur – alles vergessen.

Teil 1: Existierende Dateien als Kontext

Hast du schon eine about-me.md, Style-Dokumente oder bestehende Copy-Texte? Lass Claude die zuerst lesen:

«Lies die Dateien in meinem Ordner zuerst. Nutze meinen Ton und Stil für den Text.»

Claude nutzt sie dann als Kontext – gleicher Mechanismus wie bei Cowork.

Teil 2: CLAUDE.md als Memory-Datei

Die Lösung fürs Session-Gedächtnis: eine CLAUDE.md im Root deines Projekts. Claude liest sie automatisch bei jeder neuen Session.

Einmal einrichten nach der ersten Session

Wenn du einmal ein Projekt zum Laufen gebracht hast, sag zu Claude:

Erstelle eine CLAUDE.md-Datei im Root dieses Projekts.

Schreib da alles rein, was du über dieses Projekt
gelernt hast:
- Ordner-Struktur
- Was jede Datei macht
- Design-Entscheidungen (Fonts, Farben, Layout)
- Meine Präferenzen
- Welche Seiten / Abschnitte existieren

# Das ist deine Memory-Datei.
# Lies sie zuerst in jeder neuen Session.

Beim nächsten Start kennt Claude Stil, Struktur und Entscheidungen sofort.

Häufiger Fehler

Jede Session wieder die eigenen Präferenzen erklären. Einmal in eine Datei schreiben, dann dort für immer. Gilt übrigens auch für Cowork – dort heisst das «Global Instructions».

claude-code-profi-prompting-step-3.png
Beispiel: CLAUDE.md (Memory-Datei)
Du darfst CLAUDE.md jederzeit bearbeiten. Wenn sich dein Stil ändert oder neue Seiten dazukommen, editier die Datei – beim nächsten Start liest Claude die neue Version.
4 Workflow & Fehler-Handling

Selbst mit perfekten Prompts braucht es einen guten Workflow.

Ein Deliverable pro Prompt

Nicht zwölf Features auf einmal. Stattdessen eine klare Sequenz:

  1. Startseite bauen – prüfen, fixen, abnehmen.
  2. Kontakt-Seite dazu.
  3. Blog-Bereich dazu.

Jede Konversation ein Sprint, ein Ergebnis. Kleine, fokussierte Prompts geben Claude weniger Raum, bereits Funktionierendes zu kaputtzumachen.

Screenshot-Debugging

Wenn etwas visuell schief aussieht, nicht beschreiben – zeigen:

  1. Screenshot vom Problem machen.
  2. In den Chat einfügen.
  3. Schreiben: «Dieser Abschnitt überlappt auf dem Handy. Fix it.»

Zehn Sekunden statt Absätze Erklärung.

Fehler-Spiralen brechen

Wenn Claude drei Versuche lang nicht merkt, wo der Fehler liegt, abbrechen und neu einsteigen:

«Stopp. Erklär mir, was falsch läuft. Gib mir zwei alternative Ansätze – ich entscheide, welchen du nimmst.»

Das zwingt Claude aus dem Lösungs-Tunnel raus.

Pro-Tipp: VS-Code-Skip-Permissions

In der VS-Code-Extension gibt es den Modus «Skip Permissions» (Bypass). Wenn aktiv, schreibt Claude Dateien ohne jede Rückfrage – deutlich flüssiger. ⚠️ Nur in vertrauten Projekt-Ordnern aktivieren, weil Claude damit auch Dateien ohne Nachfrage löschen kann.

Pro-Tipp: Kosten

Claude Code verbraucht deutlich mehr Tokens als Chat – eine produktive Session entspricht ungefähr 20 normalen Chat-Gesprächen. Für einzelne Projekte reicht der Pro-Plan (USD 20/Monat); für Vielnutzer:innen lohnt sich der Max-Plan (USD 100/Monat).

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Du kannst Claude Code nicht klassisch Code-reviewen, wenn du selbst nicht programmieren kannst. Das Ersatz-Tool ist die Seite testen: jeden Button klicken, Mobile-Ansicht prüfen, alles durchgehen. Was läuft, ist gut.
5 Die 3-Part-Struktur: Context · Instruction · Ask First

Stop writing 500-word prompts that don't work. Der robusteste Prompt-Aufbau, den Power-User tatsächlich verwenden, ist stattdessen kurz und besteht aus drei Teilen – die meisten lassen mindestens einen davon weg.

Die Bad / Better / Best-Progression

  • Bad: «Schreib mir einen LinkedIn-Post über KI-Tools.» – generisch, endet mit generischem Post.
  • Better: «Ich will einen LinkedIn-Post über die KI-Tools, die ich täglich nutze. Fang noch nicht an. Stell mir zuerst Rückfragen – damit wir uns auf Winkel, Ton und Zielgruppe einigen.»
  • Best: Same prompt plus hochgeladene ABOUT-ME.md, WRITING-STYLE.md, COPYWRITING.md. Plus: «Lies die hochgeladenen Dateien komplett bevor du antwortest. Starte nicht mit dem Schreiben. Stell mir stattdessen Rückfragen – so verfeinern wir den Ansatz gemeinsam.»

Die drei Teile im Detail:

Part 1 — Context-Dateien (.md)

  1. Erstelle eine Datei ABOUT-ME.md.
  2. Rein kommen: deine Rolle, dein Publikum, deine Ziele, dein Ton.
  3. Zweite Datei: WRITING-STYLE.md.
  4. Da kommen 3–5 Beispiele deines besten eigenen Schreibens rein (aus Elternbriefen, Wochenplänen, Blog-Posts – was auch immer deinen Ton am klarsten zeigt).
  5. Beide Dateien als .md speichern.
  6. Vor dem eigentlichen Prompt hochladen oder in den Arbeits-Ordner legen.

Claude weiss dann, wer du bist, bevor es ein Wort schreibt.

Part 2 — Clear Instruction (3 Zeilen, nicht 500 Wörter)

  1. Die Aufgabe in einem Satz.
  2. Das Format nennen (Arbeitsblatt, Elternbrief, Quiz, Lektionsplan, Post …).
  3. Die Zielgruppe nennen (7a Mathe, Eltern der 2. Sek, LinkedIn-Community …).

Das ist dein ganzer Prompt. Drei Zeilen – wenn du mit Part 1 und Part 3 kombinierst.

Part 3 — «Fang noch nicht an. Stell mir zuerst Rückfragen.»

  1. Häng diesen Satz ans Ende jedes Prompts:
    «DO NOT start writing yet. Ask me clarifying questions first.» (oder auf Deutsch: «Fang noch nicht an. Stell mir zuerst Rückfragen.»)
  2. Claude stellt dir daraufhin 3–6 präzise Rückfragen – in Cowork und Claude Code oft als AskUserQuestion-Formular mit Buttons.
  3. Du beantwortest sie per Klick.
  4. Erst danach produziert Claude – und das Resultat klingt tatsächlich so, wie du es gesagt hättest.

Schul-Beispiel: ein Elternbrief in 3 Zeilen

Mit ABOUT-ME.md + WRITING-STYLE.md im Ordner:

Ich brauche einen Elternbrief zum Elternabend der 7a.
Format: kurze A4-Seite, Schulhaus-Briefkopf.
Zielgruppe: Eltern, heterogene Vorkenntnisse.

Fang noch nicht an. Stell mir zuerst Rückfragen.

Claude fragt dann z. B.: Datum/Uhrzeit? Mit oder ohne Anmeldeform? Themenfokus (Notenstand, Projekte, beides)? Kinderbetreuung erwähnen? — und schreibt erst dann den Brief, angepasst an dein WRITING-STYLE.md.

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Beispiel: ABOUT-ME.md Beispiel: WRITING-STYLE.md
Diese 3-Part-Struktur funktioniert gleich gut in Cowork, Claude Chat und Claude Code. Sobald die Context-Dateien einmal liegen, ist dein Setup-Aufwand für neue Aufträge bei null.

Quiz

1. Was ist der schnellste Weg, Claude Code eine Design-Vorlage zu geben?

  1. Alle HTML- und CSS-Eigenschaften einzeln beschreiben.
  2. Einen Screenshot einfügen und sagen: «Bau mir sowas, aber für mein Projekt.»
  3. Ein komplettes Design-System als Text übergeben.
  4. Claude selbst nach Design-Vorschlägen fragen, bevor man loslegt.
Lösung anzeigen

Richtige Antwort: b) — Ein Screenshot überträgt Layout, Proportionen und Farben in einem Schritt – wesentlich schneller und präziser als Worterklärungen. Cropp auf das relevante Element zuschneiden, dann mit der Formel «Bau mir sowas, aber für [Projekt]» kombinieren.

2. Welcher Prompt-Stil liefert bei Claude Code verlässlich bessere Ergebnisse?

  1. Eine technische To-Do-Liste mit einzelnen Code-Schritten.
  2. Ein Brief mit Ergebnis, Zielgruppe und Erfolgskriterien – nicht die Bau-Schritte.
  3. Eine lose Sammlung von Keywords zum Thema.
  4. Ein Ausschnitt aus bestehendem Code, den Claude weiterführen soll.
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Richtige Antwort: b) — Du bist Projekt-Manager:in, Claude ist Developer. Beschreib das gewünschte Ergebnis (Zweck, Zielgruppe, Inhalte, Stil) – nicht den Weg dorthin. Prompts, die wie Code-To-Do-Listen klingen, führen zu mechanischen, oft schlechteren Resultaten.

3. Wofür ist die CLAUDE.md-Datei im Projekt-Root gedacht?

  1. Eine Lizenz-Datei für das Repo (ähnlich LICENSE).
  2. Dokumentation für andere Entwickler:innen im Team.
  3. Eine Memory-Datei, die Claude in jeder neuen Session zuerst liest – damit Stil, Struktur und Präferenzen erhalten bleiben.
  4. Ein Export-Format, um Tutorials zu archivieren.
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Richtige Antwort: c) — CLAUDE.md funktioniert wie ein projektspezifisches Gedächtnis. Einmal nach der ersten erfolgreichen Session generieren lassen, dann liest Claude die Datei bei jedem Neustart – Ordner-Struktur, Design-Entscheidungen und Präferenzen sind sofort wieder da.

4. Welcher Satz verwandelt einen kurzen Prompt fast immer in ein besseres Ergebnis?

  1. «Mach es möglichst kreativ und innovativ.»
  2. «Schreib alles, was du zu diesem Thema weisst, in den Chat.»
  3. «Fang noch nicht an. Stell mir zuerst Rückfragen.» (bzw. «DO NOT start writing yet. Ask me clarifying questions first.»)
  4. «Verwende nur Wörter, die Siebtklässler:innen sicher kennen.»
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Richtige Antwort: c) — Der «Ask first»-Satz ist Teil 3 der 3-Part-Struktur. Claude stellt 3–6 präzise Rückfragen (in Cowork/Claude Code oft als AskUserQuestion-Formular), du klickst die Antworten an, und erst dann entsteht das eigentliche Ergebnis – mit passendem Winkel, Ton und Zielgruppe.