KI darf helfen. Aber wobei?

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Infografik «KI darf helfen. Aber wobei?» mit drei Zonen der KI-Nutzung: KI übernimmt Denken, KI unterstützt Denken, Denken bleibt beim Menschen, sowie vier Leitfragen für die Planung.Originaldatei öffnen

Bei KI im Unterricht landet die Diskussion schnell bei Regeln.

Dürfen die Lernenden ChatGPT benutzen? Bei welcher Aufgabe? Wie viel Unterstützung ist erlaubt? Muss die Nutzung angegeben werden?

Diese Fragen sind berechtigt. Didaktisch reichen sie mir aber nicht.

Denn zwei Lernende können dasselbe Tool nutzen und trotzdem völlig unterschiedliche Lernprozesse durchlaufen.

Eine Person lässt sich eine fertige Analyse schreiben.

Die andere formuliert zuerst eine eigene Einschätzung und bittet die KI danach um Gegenargumente.

Auf dem Bildschirm ist beides «KI-Nutzung». Für das Lernen ist der Unterschied gross.

Deshalb beginne ich lieber mit einer anderen Frage:

Welche Denkhandlung soll bei den Lernenden bleiben?

Nicht jede Delegation ist problematisch

KI kann im Unterricht sehr viel übernehmen.

Sie kann Texte strukturieren, Ideen sammeln, sprachlich überarbeiten, zusätzliche Beispiele liefern, Rückfragen stellen oder unterschiedliche Perspektiven erzeugen.

Das kann Lernprozesse entlasten und verbessern.

Problematisch wird es dort, wo die KI genau jene Denkhandlung übernimmt, wegen der ich die Aufgabe gestellt habe.

Soll eine Schülerin lernen, Argumente gegeneinander abzuwägen, kann die KI durchaus zusätzliche Gegenargumente liefern. Das Gewichten sollte aber bei der Schülerin bleiben.

Soll ein Schüler lernen, eine historische Quelle hinsichtlich ihrer Aussagekraft einzuschätzen, kann die KI Hintergrundwissen anbieten oder eine Gegenposition formulieren. Die eigentliche Bewertung sollte er selbst vornehmen.

Es geht also weniger darum, möglichst wenig an KI abzugeben.

Es geht darum, das Richtige nicht abzugeben.

Drei Zonen helfen bei der Planung

Für meine eigene Planung denke ich dabei grob in drei Zonen.

In der ersten Zone übernimmt die KI Denken. Sie analysiert, bewertet, entscheidet oder erklärt den entscheidenden Zusammenhang selbst.

Das kann völlig legitim sein, wenn genau diese Handlung nicht Gegenstand des Lernens ist. Ist sie aber Lernziel, wird es kritisch.

In der zweiten Zone unterstützt die KI Denken. Sie liefert Gegenargumente, stellt Rückfragen, markiert mögliche Lücken oder zeigt eine alternative Lösung. Die zentrale Entscheidung bleibt bei den Lernenden.

Diese Zone finde ich besonders interessant. Hier wird KI nicht zum Antwortautomaten, sondern zum Gegenüber.

In der dritten Zone bleibt Denken bewusst beim Menschen. Bestimmte Phasen finden ohne KI statt, weil ich genau dort sehen möchte, was bereits verstanden wurde, oder weil eine Fähigkeit selbstständig verfügbar werden soll.

Keine dieser Zonen ist grundsätzlich richtig oder falsch.

Entscheidend ist das Lernziel.

Dieselbe KI-Handlung kann sinnvoll oder unsinnig sein

Eine Zusammenfassung durch KI ist ein gutes Beispiel.

Bei einer umfangreichen Recherche kann es sinnvoll sein, sich einen langen Text zunächst strukturieren zu lassen.

Wenn das eigenständige Zusammenfassen selbst gerade gelernt werden soll, sieht die Sache anders aus.

Dasselbe gilt für Übersetzen, Programmieren, Argumentieren oder Rechnen.

Deshalb überzeugen mich pauschale Regeln wie «KI darf immer» oder «KI darf bei dieser Aufgabenart nie» wenig.

Der didaktisch interessante Punkt liegt eine Ebene tiefer.

Was soll die lernende Person am Ende selbst können?

Und unmittelbar danach: Welche Denkarbeit darf die KI übernehmen, ohne genau dieses Lernen zu ersetzen?

Zurück zum Lernen

Für mich ist das eine hilfreiche Verschiebung.

Die Unterrichtsplanung beginnt nicht beim Tool. Nicht mit der Frage: «Wo könnte ich hier KI einsetzen?»

Sondern beim Lernen.

Erst wenn klar ist, welche Denkhandlung zentral ist, lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Rolle KI spielen kann.

Sie darf viel übernehmen. Sie darf unterstützen, strukturieren, provozieren und entlasten.

Nur eines sollte sie nicht unbemerkt tun: ausgerechnet das erledigen, was die Lernenden lernen sollen.

Faustregel

Nicht die Menge der KI-Nutzung entscheidet über die Qualität eines Lernprozesses. Entscheidend ist, welche Denkaufgaben bei den Lernenden bleiben.